Allgemein

Von Diäten, Schokokuchen und dem Labrador deinem Kopf

 

Viele Menschen wollen sich gesund ernähren. „Ich mach ab heute Diät“, heißt es. Viele Menschen schaffen es…zumindest für ca. 48 Stunden. Der Grund für eine Ernährungsumstellung kann vielseitig sein. Man will:

– abnehmen

– gesünder leben (was auch immer das heißt)

–  Muskeln aufbauen

– nicht mehr so viel Fastfood essen

– ein Nährstoffdefizit ausgleichen

– ab jetzt aus ethischen Gründen kein Fleisch mehr essen

– …

Kennen wir es nicht alle? Folgendes Szenario:

Die Ernährungsumstellung läuft gut…schon fast zu gut. Wir haben dem Süßwarenregal im Supermarkt widerstanden. BAM! Dann kommt das nächste Level. Das kleine Süßwarenregal an der Kasse.  Man könnte ja vielleicht so ein kleines einzelnes Duplo…NEIN! Pariert! Den Geburtstagskuchen vom Kollegen haben wir auch nach der dritten „willst du nicht doch ein Stück haben“ erfolgreich abgelehnt. Mind over matter!

Gerade wollen wir den super lecker aussehenden, mit Schokolade überzogenen, Kuchen in der Kantine einfach gekonnt ignorieren, da hörst du plötzlich ein leises Winseln. Es dauert keine 10 Sekunden und es wird zu einem lauten Bellen. Da ist er wieder der Labrador in deinem Kopf. Er sitzt genau zwischen deinen Ohren und bellt dich an:

„Gönn dir den Kuchen!“

„Du hattest ein so schlimmes Meeting…nimm den Kuchen!“

„Nimm den Kuchen, sonst verhungerst du!“

Die Stimme des gefräßigen Labradors in deinem Kopf lässt sich kaum ignorieren. Doch du zeigst ihm mit viel Energie und Willenskraft die kalte Schulter.  Du holst dir den Salat und setzt dich zu deinem Kollegen an den Tisch der sich, wie kann es auch anders sein, ein Stück Kuchen geholt hat.

Du rechnest kurz hoch wie viel Kalorien der vor Schokolade strotzende Kuchen ca. hat und denkst an den ganzen Zucker. Dein Salat hingegen ist voller Vitamine, sowie Ballaststoffe und die Karotten darin haben so viel Beta-Carotin, dass du sicher Bald keine Brille mehr benötigst.

Du bist stolz auf dich! Du hast mit deinem Mittagessen eine gute Wahl getroffen. Du bist ein Stück und ein Mittagessen näher an deinem Ziel! Doch irgendwie wird das Gefühl von einem laut bellenden Hund getrübt. Ehrlicherweise bist du schlecht drauf…du und dein Labrador ihr wisst es beide – du willst diesen Kuchen.

Hier haben wir eine gewisse Dissonanz. Was du tust ist antiethisch zu dem was dein Labrador will. Dein Labrador interessiert es nicht wirklich, ob du Vegan leben möchtest, gesund oder 5 Kilo verlieren willst.

Dies ist ein Zustand in welchem wir nicht lange existieren können. Einer gibt nach kurzer Zeit nach – in den meisten Fällen ist es unsere Willenskraft und nicht der Labrador. Dann gönnen wir uns den Kuchen und naja… dann ist der Tag ja sowieso schon ein Reinfall und die Tankstellen-Gummibärchen sind nicht weit. Wir essen den Tag über was wir wollen…nur noch heute! Der gesunde Menschenverstand sagt uns jedoch, dass wir aufhören sollten zu buddeln, wenn wir uns in einem Loch befinden. Doch unser Labrador hat es nicht so mit logischem Menschenverstand. Er knurrt uns weiter an…wir fangen einfach wieder am Montag an! Neue Woche neues Glück. Entschuldigungen sind schnell gefunden. Wir hatten ja auch quasi die härteste Woche unseres Lebens, oder?

Kennst du dieses Szenario in einer ähnlichen Form? Ja? Wir alle kennen es wohl. Unser Gehirn, so faszinierend es auch ist, kann uns ganz schön im Weg stehen.

Hier sind 3 Tipps wie du es schaffst das Bellen deines Labradors (deinem ICH-WILL-ABER-DEN-KUCHEN-GEHIRN-TEIL) Einhalt zu gebieten:

 

1 Hol den Labrador auf deine Seite

Wie bereits erwähnt interessiert es unseren Labrador bzw. unser Gehirn oftmals nicht wirklich was wir uns vorgenommen haben. Er hat keinen großen Drang zur Logik. Er will nicht abnehmen oder sich gesund ernähren. Er interessiert sich nur für die großen Dinge. Spaßiges, nicht verhungern, Sex, und Kampf oder Flucht. Ich bin mittelweile der Meinung, dass kein Mensch auf dieser Welt abnehmen will. Doch was wollen wir Menschen dann? Hier gibt es ein einfaches Spiel. Ich nenne es das „UM-Spiel“. Oftmals steckt hinter dem Wunsch abzunehmen etwas ganz Anderes. Etwas viel Größeres. Was ist dein eigentliches Ziel? Du willst abnehmen (dich gesund ernähren, kein Fleisch mehr Essen, usw….) UM was zu erreichen?

Du willst abnehmen UM _________, UM ___________, das würde bedeuten das ________ usw. So kommen wir oft an ganz andere Ziele, die auch unserem Labrador sinnvoller erscheinen. So wollen wir bspw. abnehmen, um uns attraktiver zu fühlen und endlich die/den Traummann/Traumfrau kennenzulernen. Das ist jetzt ein Ziel womit unser Labrador etwas anfangen kann. Das Abnehmen ist also nur ein Zwischenziel, um etwas Anderes zu erreichen. Finde, indem du immer wieder die Frage „UM“, stellst heraus was wirklich dahintersteckt. Visualisier wie es wäre, wenn du schon da wärst und überlege dir, ob das Zwischenziel dich wirklich dahin bringt. Nimm dir am besten wirklich ein Blatt und 10 Minuten Zeit und schreib es auf.  Das kann zusätzlich helfen, wie einige Studien bereits eindrucksvoll gezeigt haben (1). Das hilft tatsächlich oftmals den Labrador auf unsere Seite zu bekommen und die wichtigen Ziele zu verfolgen und nicht bloß langweilige Zwischenziele.

 

2 Verzeihe dir kleine Rückschläge

Rückschläge sind normal und sogar notwendig. In der Sportwissenschaft gibt es ein tolles Buch über das Motorische Lernen von Bewegungen (2). Ein lernrelevantes Phänomen wird hier beschrieben als sog. Fluktuation. Es besagt, dass Schwankungen eine Notwendigkeit für lernende Systeme sind. Es ist völlig normal, dass unser Labrador manchmal gewinnt. Lege dir eine Strategie zurecht für den Ernstfall. Was machst du, wenn du einmal schwach wirst? Auf jedenfall nicht weiter buddeln! Wie bereits erwähnt: Der gesunde Menschenverstand sagt uns jedoch, dass wir aufhören sollten zu buddeln, wenn wir uns in einem Loch befinden.

 

3 Setze Aktivierungsenergien rauf bzw. runter, um es dir einfacher zu machen

Wie das geht, habe ich bereits in einem meiner anderen Artikel beschrieben. Den Artikel findest du hier: Odysseus und die Sirenen – schlechte Gewohnheiten beseitigen – die 20-Sekunden-Regel

Labrador….SITZ!

 

 

Literatur

1 https://www.dominican.edu/academics/lae/undergraduate-programs/psych/faculty/assets-gail-matthews/researchsummary2.pdf

2 Birklbauer, J. (2006). Modelle der Motorik. Eine vergleichende Analyse moderner Kontroll-Steuerungs-, und Lernkonzepte.

Source: Von Diäten, Schokokuchen und dem Labrador deinem Kopf

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.